180
„Nemlich in Ermanglung und Abweſenheit Ihrer grö⸗ ßeren Geſchicklichkeit, lieber Doctor,« ſagte Mivart hoöflich. »Es iſt Madame Saint⸗Aubin und ihre Schweſter, die Sie ſuchen, nicht wahr?«
„Madame Saint⸗Aubin?«
„Ja wohl! Wie dumm von mir, daß ich nicht gleich an dem Namen errieth, nach wem Sie ſich erkundigten.«
»Dies iſt allerdings ein ſeltſames Zuſammentreffen, zufäl⸗
lig aber iſt es eine Madame Rahynal, die ich ſuche, und nicht eine Madame Saint⸗Aubin.*
»Madame Rahynal? Die kenne ich nicht.«
Mivart gab hierauf dem Doctor ſein Bedauern zu erken⸗ nen, daß Madame Saint⸗Aubin nicht die Freundin ſey welche er ſuche.
»Sie und ihre Schweſter,« ſagte er,„ſind ſo ſchön, daß es Einem allemal ganz anders wird, wenn man ſie an⸗ ſieht. Sie haben Beide die ſchönſten blauen Augen, die ich jemals geſehen— hohe Stirnen, Zähne wie Elfenbein mit Perlen gemiſcht, ariſtokratiſch kleine Füße und Hände und Arme— o!s und der junge Arzt küßte ſich die Fingerſpitzen und ſchwieg, als ob er keine Worte mehr finden könne, um das begonnene Bild auf würdige Weiſe weiter auszuführen.
Der Doctor lächelte.
»Wenn Sie eine Stunde eher gekommen wären, ſo hät⸗ ten Sie Fräulein Laura ſehen können— ſie war in der Stadt.*
„Fräulein Laura, was iſt das?«
»Nun, Madame Saint⸗Aubin's Schweſter.«
»Hm! Wo wohnen denn dieſe unvergleichlichen Schön⸗ heiten?«


