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dieſer Zeit Saint⸗Aubin einen Wagen undfuhrzeitig am Mor⸗ gen nach Frejus. An einem ſo kleinen Orte erwartete er, die jungen Damen ſofort ausfindig machen zu können. Zu ſei⸗ ner Ueberraſchung aber kannte ſie kein Menſch und hatte eben ſo wenig von ihnen gehört. Er war darüber ganz ver⸗ blüfft und ſtand eben im Begriff, nach Hauſe zurückzukehren und mit der Baronin über ſeine Reiſe ins Blaue zu lachen, als er einem Geſicht begegnete, welches er kannte. Es gehörte einem gewiſſen Mivart, einem jungen talentvollen Arzte, deſſen Bekanntſchaft er in Paris gemacht. Mivart redete ihn ſehr zuvorkommend und ehrerbietig an und theilte ihm nach den erſten Complimenten mit, daß er ſich ſeit einigen Monaten in dieſer kleinen Stadt niedergelaſſen habe und ziemlich gute Ge⸗ ſchäfte mache.
»Sie morden einige Kranke und laſſen andere von der Natur curiren, nicht wahr mein Herr?s« ſagte der Doctor.
Mivart lachte. Hierauf erwähnte der Doctor in allge⸗ meinen Ausdrücken die Veranlaſſung, die ihn nach Frejus geführt.
„Sind Ihre Freundinnen hübſch? Ich glaube, ich kenne alle hübſchen Frauen der Umgegend,« ſagte Mivart in leicht⸗ ſertigem Tone.
»Nein, hübſch ſind ſie nicht,« entgegnete Saint⸗Aubin.
Mivart's Intereſſe an den betreffenden Damen ſchwand ſichtbar aus ſeinen Mienen.
„Aber ſchön ſind ſie. Die ältere könnte für Venus und die jüngere für Hebe gelten.«
»Die kenne ich!« rief der junge Arzt.„Das ſind Pa⸗ tienten von mir.*
Der Doctor erröthete.„Wirklich?« rief er.


