Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

178

ziemlicher Entfernung ſtationirt und konnte ſie nicht beſuchen, ihre Liebe aber machte nichtsdeſtoweniger raſche Fortſchritte. Jeden Tag ſchrieb er für ſeine Laura die Begebenheiten des Tages nieder und zweimal wöchentlich ſendete er dieſe Be⸗ richte an ſein Liebchen und erzählte ihr gleichzeitig jedes Ge⸗ fühl ſeines Herzens.

Sie war weniger glücklich als er. Sie hatte ein ſchwe⸗ res Geheimniß zu tragen, fand aber immer noch vollauf Stoff, ihm zu erzählen und auch zärtliche Gefühle, welchen ſie nach der ihr eigenthümlichen ſchelmiſchen, ſchüchternen und kaunen⸗ haften Weiſe gegen ihn Luft machte. Briefe können Herzen feſ⸗ ſeln und Briefe waren es, durch welche dieſe beiden Herzen unmerkbar an einander gekettet wurden.

Ihre Vereinigung ward als gewiß und zwar in nicht ſehr ferner Zeit betrachtet. Mittlerweile war es ſtets ein Troſt und eine Freude, ſich von Andern hinwegſchleichen und mit dem Geliebten auf dem Papier plaudern zu können. Nach die⸗ ſer Seite hin war wenigſtens alles hell und klar.

Eines Tages fand Doctor Saint⸗Aubin, als er wieder einmal ziemlich unvermuthet von Paris nach Beaurepaire zu⸗ rückkam, Niemanden weiter zu Hauſe als die Baronin. Laura und Joſephine waren nach Frejus gefahren ſchon ſeit län⸗ ger als einer Woche. Joſephine war wieder leidend und da Frejus ihr früher zugeſagt hatte, ſo hatte Laura geglaubt, es werde dies wieder der Fall ſeyn.

»Ich will, da Sie gekommen ſind, ſie zurückholen laſſen.*

»Nein, nein,« ſagte der Doctor,warum das? Ich werde ſelbſt hinreiſen und ſie beſuchen.«

Demgemäß miethete am zweiten oder dritten Tage nach

,