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gelegenheiten und ſchenkte ihnen ſelbſtgefertigte Gegenſtände und beroch zuweilen die Suppe in dem Topfe einer jungen Hausfrau und behauptete, ſie müſſe gut ſchmecken, und wenn ſie dann aufgefordert ward, ſie zu koſten, ſo aß ſie einen tüchtigen Teller voll davon und ſagte, es ſey eine beſſere
Suppe als ſie auf dem Schloſſe hätten, und dachte dies auch,
und ſo oft ein ungezogener kleiner Range in ſeiner Wiege zu ſchreien anfing und der Vater dem Störenfried mit der Fauſt drohte, gab Madame Rahnals liebliches Antlitz große Angſt, nicht für den Geſtörten, ſondern für den Schreier zu erkennen, und ſie eilte auf ihn zu und ſetzte die Wiege in Bewegung und redete ihm freundlich zu und die junge Hausfrau lächelte und ſtopfte ihm den Mund auf andere Weiſe.
Und außer den Fünffranesſtücken, welche ſie den Kin⸗ dern in die Händchen gab, folgte auf dieſe Beſuche von Ma⸗ dame Rahnal ſtets einer von Jacintha mit einem Korbe voll Lebensmitteln an ihrem ſtarken Arm, während der Hals einer Flaſche Wein aus der Ecke des Korbes hervorlugte.
So freundlich und wohlthätig Joſephine aber auch war, ſo minderte ſich doch ihre ſonſt ſo gutmüthige Laune und war jetzt nur menſchlich, während ſie früher engelgleich geweſen.
Laura und Jacintha wurden von dieſer Veränderung nicht wenig betroffen, ſtimmten jedoch Allem, was ſie ſagte, bei und ermuthigten ſie zu Allem, worauf ihre oftmals wun⸗ derliche Laune verfiel.
Mittlerweile lebte die Baronin von den Briefen ihres Sohnes Raynal, welche regeimäßig zweimal des Monats eintrafen.
Auch Laura hatte eine Correſpondenz, die eine fortwäh⸗ rende Quelle der Freude für ſie war. Eduard war jetzt in
Wer lieben will. III. 12*


