Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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auf dem andern Ufer ſtanden boshafte höhnende Feinde und drohten in dieſen himmliſchen Strom einzudringen.

Die Natur war ſtark in dieſer jungen Frau und die Natur warf ſich in dieſem Stadium ihrer verhängnißvollen Laufbahn mit Rieſenkraft in die Wagſchale des Lebens. Die Vergangenheit war für ſie ein Gegenſtand der Reue, die Zu⸗ kunft erfüllt von Schreckniſſen und leer an Hoffnung. Und doch erlag ſie nicht, konnte ſie nicht erliegen. Anſtatt der Stumpfheit und Ermattung, worin ſie vor einigen Monaten befangen geweſen, beſaß ſie jetzt mehr Energie als je eine Energie, die zuweilen in Gereiztheit ausartete. Ein Drang nach Thätigkeit bemächtigte ſich ihrer und gab ſich auf man⸗ nigfache Weiſe kund.

So ward ſie zum Beiſpiel von einer Manie zum Nähen ergriffen. Ihre Finger mußten fortwährend die Nadel füh⸗ ren und wie fromme Gemüther ſich in die Einſamkeit zurück⸗ ziehen, um zu beten, ſo that ſie dies, um zu nähen.

Bei regneriſchem Wetter ſchlüpfte ſie oft in die Küche und führte neben Jacintha die Nadel. Bei trockenem Wetter ver⸗ ſteckte ſie ſich in der alten Eiche und ſaß ſtill wie ein Mäus⸗ chen und führte die Werkzeuge ihres Handwerks und machte Dinge, die keinem Menſchen etwas nützen zu können ſchienen, und probirte kleine Muſſelinfalbeln auf ihrer weißen Hand und hielt ſie dann vor die Augen und lächelte und ſeufzte dann. Es war Winter und Laura pflegtezuweilen einen dicken Shawl heraus zu bringen, wenn ſie in der alten Eiche ſaß und nähete. Joſephine aber lehnte ihn faſt allemal ab. Sie war undurchdringlich gegen die Kälte.

Dann, da ihre Börſe jetzt beſſer gefüllt war als früher, beſuchte ſie die Armen mehr als je und ganz beſonders junge Ehepaare und nahm großes Intereſſe an ihren häuslichen An⸗