Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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Joſephine athmete hörbar. Sie ſtreckte beredt ihre Hand nach Jacintha aus, wendete aber das Geſicht hinweg und zitterte.

Jacintha warf einen eiligen Blick im Zimmer umher. Dann zitterte ſie auch im Voraus vor dem, was ſie im Be⸗ griffe ſtand zu ſagen, und vor der Wirkung, die es auf die junge Dame äußern konnte.

Was Joſephinen betraf, ſo machte ſie, ſo furchtbar auch die Unterredung geworden war, keinen Verſuch, derſelben auszuweichen, denn ſie mußte erfahren, wie weit Jacintha ihr Geheimniß durchdrungen hatte. Jacintha ziſchte mit haſti⸗ ger zitternder Stimme Joſephinen die Worte in's Ohr:

»Als die Nachricht von Oberſt Raynal's Tod eintraf, weinten Sie, aber die Farbe kehrte auf Ihre Wangen zurück. Als die Nachricht kam, daß er noch lebe, waren Sie wie in Stein verwandelt. Ach, meine arme junge Herrin, es iſt zwi⸗ ſchen Ihnen und jenem Mann mehr vorgegangen, als hätte vorgehen ſollen. Seit dem Tage, wo ſie Alle zuſammen nach Frejus fuhren, ſind Sie ganz verändert. Ich habe bemerkt, daß Sie ihn anſahen, wie wie eine Frau ihren Mann an⸗ ſieht. Ich habe bemerkt, daß er 6*

»Still, Jacintha. Sage mir nicht, was Du geſehen haſt o erinnere mich nicht an Freuden, wegen deren ich zu Gott bete, daß er ſie mir vergeſſen helfe. Er war ja mein Gatte! O grauſame Jacintha, warum erinnerſt Du mich an das, was ich geweſen an das, was ich bin och, wehe mir!

»Ihr Gatte!« murmelte Jacintha mit dem größten Er⸗ ſtaunen.

Und nun ließ Joſephine ihren Kopf auf den Schooß der