Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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170 ſert. Das hat der Doctor gethan und nun kommt er hierher.*

»Nun und was folgt denn daraus?«

Mademoiſelle Laura wird ihm Alles erzählen, und wenn ſie ihm nur die Hälfte von dem erzählt, was es zu er⸗ zählen gibt, ſo iſt Ihr Geheimniß dann kein Geheimniß mehr.«

»Mein Geheimniß!s keuchte Joſephine und ward bleich.

Erſchrecken Sie doch nicht über Ihre arme Jacintha, Madame. Früher oder ſpäter müſſen Sie ſich außer Ihrer Schweſter doch Jemanden anvertrauen.«

Joſephine ſah ſie mit fragenden erſchrockenen Augen an.

»Liebes Fräulein ich bitte um Verzeihung, ich wollte ſagen Madame ich trug Sie auf meinen Armen, als ich ſelbſt noch ein Kind war. Als ich etwas größer war, ver⸗ ſuchten Sie ſich an mein Kleid haltend zu gehen und liſpelten meinen Namen, und dann ſchlangen Sie Ihre kleinen Arme um meinen Hals und küßten mich. Ach, ich wollte, dieſe Tage könnten wiederkehren!

Ach, ich wünſchte es auch, ich wünſchte es auch!«

Und wenn ich nur den mindeſten Schmerz, das leiſeſte Unwohlſehn verſpürte, ſo bekümmerte ſich Ihr liebes kleines Antlitz und ward bleich vor Angſt um Ihre Jacintha. Und nun ſind Sie in Noth, in großer Noth, aber Sie wenden ſich ab von mir! Sie wagen nicht, ſich mir anzuvertrauen, die ich mich doch eher in Stücke reißen ließe, ehe ich Sie ver⸗ riethe. Ach, Sie thun Unrecht daran! Arme Leute haben auch Gefühl. Sie haben dies und jenes zu ertragen gehabt und eine ſchlichte Magd iſt oft die beſte Freundin ihrer Herrin. Ach, Madame, wenden Sie ſich nicht ab von der, welche Sie ſo oft auf ihren Armen getragen und an deren Bruſt Sie ſo manche Stunde gecuht haben.«