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Die Unruhe, welche dieſe Entdeckung ihr verurſachte, verhehlend, ſah ſie Jacintha voll ins Geſicht und ſagte ſanft, aber ein wenig kalt:
„Nun, Jacintha?“
Jacintha ſchlug die Augen nieder und murmelte langſam:
„Der Doctor— kommt heute.«
Dann ſchlug ſie ihre Augen ſchnell auf, um Joſephinen ſo zu ſagen, zu überrumpeln— aber das ruhige Geſicht war undurchdringlich. Jacintha ſetzte daher hinzu:
„Zu unſerem Unglück,« und nahm dabei einen noch bedeutſameren Ton an.
„Zu unſerem Unglück? Dieſer alte Freund— wie meinſt Du das?«
„Es iſt nicht ſo leicht zu ſagen, was ich meine.«
„Und mir iſt es unmöglich zu errathen, liebe Jacintha.«
„Madame,« ſagte Jacintha in feſtem Tone,„ſcherzen Sie nicht, ich bitte Sie, die Sache iſt zu ernſt. Dieſer alte Mann macht mir bange. Man weiß nie, woran man mit ihm iſt. So lange er mit dem Kopfe in den Wolken ſteckt, könnte man ihm die Schuhe ausziehen, und er würde, ohne etwas zu merken, immer weiter gehen, dann und wann aber ſtürzt er augenblicklich aus den Wolken herunter, ohne erſt ein Wort davon zu ſagen und wenn er dies thut, ſo iſt ſein Auge wie das eines Vogels auf Alles gerichtet. Dann iſt er auch ſo alt. Er hat Vieles erlebt. Nehmen Sie mein Wort darauf, die Alten ſind ſchlauer als die jungen Leute, mögen dieſe noch ſo liſtig ſeyn. Die Alten haben Alles geſehen. Wir haben von den meiſten Dingen nur ſprechen hören und hier und da ein wenig geſehen. Um das Leben gründlich kennen zu lernen, muß man es durchlebt haben, von der Suppe bis zum Deſ⸗


