Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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können von ihrer Paſtete zu jeder Stunde des Tages und der Nacht eſſen. Soll ich ſie fortſchicken?«

»Nein,« ſagte Joſephine,dies würde ihren Stolz als Köchin verletzen. Decke das Gericht nur zu, denn jetzt bin ich nicht bei Laune es iſt mir eher zuwider.«

Die Paſtete ward zugedeckt und die Schweſtern begaben ſich zur Ruhe. Mitten in der Racht aber, im Stockfinſtern ſtand Joſephine auf, taſtete ſich bis zu der Paſtete, ſchmauſte ſie bis auf den letzten Biſſen, polirte den Teller und legte ſich dann beruhigt wieder zu Bett.

Das große tapezirte Zimmer, in welchem früher Camill Dujardin gewohnt, war jetzt wegen der ſchönen Ausſicht, die man von dieſen Fenſtern aus hier hatte ein Lieblings⸗ aufenthalt der Familie. Es hatte auch ein großes Seitenfenſter nach Weſten zu und vier Fenſter nach Süden. Dies ſagte der Baronin zu, denn ihre Augen waren nicht mehr ſonderlich ſcharf. Eines Tages ſaß Joſephine hier allein mit einer Arbeit in der Hand. Die Radel pauſirte jedoch oft und das ſchöne Haupt ſenkte ſich. Sie ſeufzte tief auf.

Zu ihrer Ueberraſchung ward dieſer Seufzer durch einen zweiten beantwortet, der ebenſo wie der ihrige aus einem be⸗ kümmerten Herzen außuſteigen ſchien.

Sie drehte ſich ſchnell herum es war Jacintha. Joſephine beſaß, wie wir wiſſen, einen Scharfblick, der ſie befähigte, in den Zügen Anderer zu leſen und es fiel ihr ſo⸗ fort Zweierlei auf ein gewiſſer Ernſt in Jacintha's Blick und eine Aufregung, welche das Mädchen mit ziemlichem, aber nicht vollſtändigem Erfolg zu unterdrücken ſuchte.