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Die Baronin bemerkte dies und ward dadurch von einem großen Theil ihrer Angſt befreit. Eines Tages bei Tiſche freute ſich ihr mütterliches Herz über Joſephinens Leiſtungen ſo ſehr, daß ſie dieſelben faſt wie eine ihr erwieſene Gefällig⸗ keit betrachtete.
„Das iſt recht meine Tochter. Wie freut ſich deine Mutter, Dich wieder eſſen zu ſehen! Du haſt eine reichliche Portion Suppe gegeſſen und Dir zweimal von dieſer Paſtete geben laſſen, welche Jacintha ſo zur Ehre gereicht.«
Joſephine erröthete tief über dieſes Compliment.
„Das iſt wahr,« ſagte ſie,„ich eſſe faſt zu viel, und mit einem verſtohlenen Blick nach der erwähnten Paſtete legte ſie ihr Meſſer und ihre Gabel nieder und aß nichts mehr.
„Der Doctor wird böſe auf mich ſeyn,« ſagte die Ba⸗ ronin.„Ich habe ihn von Paris hinweggequält und wenn er nun zurückkommt, ſo wird er finden, daß Du ſo geſund biſt wie früher.«
„Frau Baronin,« ſagte Jacintha haſtig,»„darf ich mir erlauben zu fragen, wann der Doctor kommen wird, damit ich ſein Zimmer in Bereitſchaft ſetze?
»Du haſt Recht, Jacintha. Er kommt übermorgen Nachmittags.“
Als die jungen Damen Abends auf ihre Zimmer kamen, fanden ſie einen kleinen Tiſch in Joſephinens Zimmer gedeckt und din Reſt der Paſtete darauf, der ihr ſo gut geſchmeckt hatte. Laura lachte laut auf.
„Sieh nur dieſe gute Jacintha! Die Schmeichelei un⸗ ſerer Mutter hat Eindruck auf ſie gemacht. Sie glaubt, wir


