Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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Sie hat Recht, Laura. Mit erprobten Freunden muß man keine Bedingungen ſtellen. Komm, wir wollen chrer treuen Hingebung dieſes Compliment machen. Es iſt eine ſo kleine Kunſt.«

Und ich werde es als eine große betrachten.«

Genug, wir wollen unſerer Mutter nichts ſagen.

Laura gab nur ſeufzend ihre Zuſtimmung hierzu.

Ich hoffte ſo innig. daß alle unſere Geheimnißkräme⸗ rei ihr gegenüber zu Ende ſey; jetzt aber, wo wir einmal an⸗ gefangen hahen, ihr etwas zu verſchweigen, geſchieht fort⸗ während etwas, was uns zwingt, es auch ferner ſo zu machen.«

»Na, ein Troſt iſt wenigſtens, daß Doctor Saint⸗Aubin nächſten Monat hier ſeyn wird und dann werde ich es ihm ſagen. Dagegen iſt wohl hoffentlich nichts einzuwenden?«

Welchen Tag kommt denn der Doctor?« war Jacin⸗ tha's ganze Antwort.

Das wiſſen wir noch nicht er wird erſt noch ein⸗ mal ſchreiben.«

3

Ungefähr um dieſe Zeit ſchien eine Beſſerung in Joſe⸗ phinens Geſundheitsumſtänden einzutreten. Eine leichte Röthe kehrte auf ihre Wange und eine ſchwache, wechſelnde Wärme in ihr Herz zuruck. Ihre Lebenskraft erhielt eine neue Stütze ſie wurde ſich deſſen bewußt. Eines Tages ſagte ſie zu Laura:

Meine Schweſter, jetzt wünſche ich nicht mehr zu ſter⸗ ben iſt das nicht ſeltſam? Eine innere Stimme ſcheint mich leben zu heißen. Gibt der Himmel mir Kraft, um noch mehr zu dulden?6