Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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eigenthümlich mitleidigem und theilnehmendem Ausdruck auf Joſephinen weilte.

»Gutes Weſen!« dachte Laura,ſie ſieht, daß meine Schweſter unglücklich iſt und dies macht ſie gegen ſie aufmerk⸗ ſamer und ergebener als je.«

Eines Tages waren ſie alle Drei in Joſephinens Zimmer beiſammen. Joſephine kämmte ſich mechaniſch ihr langes Haar, als ſie plötzlich die Hand ausſtreckte und in barſchem Tone rief:Laura!«

Laura eilte auf ſie zu und ſah, da ſie hinter ihr ſtand, im Spiegel, daß ihre Lippen farblos waren. Sie rief Ja⸗ eintha herbei und Beide trugen Joſephinen auf's Bett. Kaum hatte ſie dieſes berührt, als ſie in Ohnmacht ſank.

»Mama! Mamals rief Laura in ihrer Angſt.

»Still!« rief Jacintha,ſchweigen Sie doch! Es iſt ja weiter nichts als eine Ohnmacht. Helfen Sie mir ihr die Fleider locker machen und verhalten Sie ſich ruhig.«

Man ſchnürte ſie auf und wendete die gewöhnlichen Mittel an; es dauerte aber einige Zeit, ehe ſie wieder zu ſich kam. Endlich kehrte die Farbe wieder auf ihre Lippen, dann in ihre Wangen und das Licht in ihr Auge zurück. Sie lä⸗ chelte Jacintha und Laura matt an.

Ich hatte wohl die Beſinnung verloren, nicht wahr?«

»Ja, liebe Schweſter, und Du hoſt uns erſchreckt ein wenig nicht viel o mein Gott!«

»Seh nicht ängſtlich, liebe Schweſter es iſt mir wie⸗ der beſſer.«

»Kann ich nun gehen und es unſerer Mama ſagen?« fragte Laura.

»Nein, nein!« rief Jacintha faſt heftig,warum ſind Sie nur ſo erpicht darauf die gute gnädige Frau zu quälen?«