Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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Woher weißt Du das, Jacintha? Haſt Du jemals Je⸗ manden leiden ſehen, wie ſie leidet?

O Viele!*

O Jacintha! Seh offen gegen mich ſtarben ſie?«

Nein.*

»Keines von ihnen?

»Nicht Eines.*

Alſo Du glaubſt, es ſey keine Gefahr vorhanden?

Keine Idee!

Gott ſegne Dich, daß Du mir dies ſagſt gute Jacintha. Und wie zuverſichtlich Du ſprichſt dein Ton und Weſen beruhigt mich wieder. Aber dennoch, liebe Jacintha, biſt Du kein Arzt!«

Nein, mein Fräulein, aber Dienſtboten ſehen Vieles und hören Vieles, wovon eine junge Dame, wie Sie ſind, nichts erfährt.*

»Wirklich?

Die vorhin erwähnten Symptome verſchwanden, aber ein ernſterer Grund zu Befürchtungen blieb in Joſephinens gänzlicher Gleichgiltigkeit und furchtbarer Apathie zurück. Sie ſchien ein Weſen zu ſehn, welches Zoll für Zoll ins Grab hinabſtieg. Sie mied alle Geſellſchaft zuweilen ſogar die Laura's. Sie ſprach ſelten. Eines Tages ſagte ſie:Noch nicht todt!« halb zu ſich ſelbſt und in einem Tone, daß es Laura das Herz zerriß.

Das Haus verſank in Schweigen und Düſterheit.

Jacintha, die von Natur ſo munter und heiter war, ward ſchweigend, nachdenklich und verſchloſſen. Die frühern Drangſale der Familie hatten niemals einen ſolchen Eindruck auf ſie gemacht. Zuweilen bemerkte Laura, wie ihr Auge mit