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einen unbeſtimmten Verdacht hegte, von dem er nicht wünſchte, daß die Baronin ihn theilen möchte, ſo lag ihm eher daran, ſich von ihr entfernt zu halten..
Deshalb ſchrieb er kurz und zurückhaltend, indem er der Baronin verſicherte, Madame Raynal habe keine organiſche Krankheit und werde dieſe Schwankungen mit der Zeit über⸗ winden. Zugleich verſchrieb er einige gelind nervenſtärkende Mittel.
Die Verzweiflung, welche Joſephinens ſich bemächtigt hatte, war ſo ſtark, daß Laura anſtatt derſelben gern eine körperliche Krankheit geſehen hätte. Sie fürchtete für den Ver⸗ ſtand ihrer Schweſter und obſchon ihre Beſorgniß geſteigert ward, ſo erſchrak ſie doch kaum, als ſie entdeckte, daß Symp⸗ tome, welche auf ein Gallenleiden ſchließen ließen, häufig zum Vorſchein kamen.
„Ich werde mit unſerer Mutter darüber ſprechen.*
„Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, ſo würde ich kein Wort davon ſagen,« bemerkte Jacintha ruhig. Sie war zu⸗ fällig zugegen.
„Warum nicht? Sie hat ja ſchon bemerkt, wie krank meine Schweſter iſt!«
»Fräulein Laura, befolgen Sie meinen Rath und ma⸗ chen Sie ihr nicht Angſt. Es kann ja nichts nützen.«
Jacintha ſprach ſo feſt und ſchien ihrer Sache ſo gewiß zu ſeyn, daß Laura ſie beiſeite nahm.
»Jacintha, ich bin ſo beſorgt um ſie, und vielleicht kennt unſere Mutter ein Mittel. Sie iſt erfahrener als wir.“
„Es bedarf keines Mittels. Sie machen viel Lärmen um nichts, Fräulein.*
Wer lieben wiil. III. 11


