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Alle ſollen unſere Freude theilen— mein Sohn war todt und iſt wiedergefunden und lebt— o Freude! Freude! Freude!*
„Mutter!« kreiſchte Joſephine.
»Wahnſinnige, die ich war! Ich bin zu geräuſchvoll in meinem Jubel!« rief die Baronin.„Hilf mir, Laura, ſie wird ohnmächtig— ihre Lippen ſind ſchon ganz weiß!«
Man brachte einen Stuhl, man drückte Joſephinen dar⸗ auf nieder. Sie war nicht im mindeſten ohnmächtig, aber ihr Körper gehorchte den hilfreichen Händen gerade ſo wie ein todter Körper.
Die Baronin brach in Thränen aus und Thränen ſtröm⸗ ten aus Laura's Augen. Joſephinens Augen waren trocken, und ſteinern und ſtarr auf das nahende Schreckniß geheftet. Die Baronin machte ſich ſelbſt Vorwürfe.
„Ich unüberlegte alte Frau! Es war zu plötzlich! es iſt zu viel für mein theures Kind! Auch ich bin jetzt ganz kraft⸗ los,* und ſie kniete nieder und legte ihr altes Haupt an die Bruſt ihrer Tochter, indem ſie mit matter Stimme ihre Thrä⸗ nen hindurch murmelte:„Zu viel Freude— zu viel Freude!«
Joſephine nahm keine Notiz von ihr. Sie ſaß da wie in Stein verwandelt und ſchaute weit hinweg über das Haupt ihrer Mutter mit ſtarren Augen auf die Luft und nahende Schreckniſſe geheftet.
Laura fühlte, daß Jemand ſie am Arme faßte. Es war Saint⸗Aubin. Auch er war jetzt bleich, obſchon nicht vorher. Er ſprach in ſchrecklichem Geflüſter zu Laura, indem er ſein Auge auf die ſteinerne Geſtalt heftete:
»Iſt das Freude?s


