Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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ſegne Sie! Ich habe noch einen Sohn! Geben Sie mir den koſtbaren Briefl«

Sie bückte ſich begierig, hob ihn auf und küßte ihn wie⸗ derholt.

»Dein Gatte lebt! Mein Sohn lebt! Unſer Wohlthä⸗ ter lebt!«

Dann ſank ſie auf die Diele nieder und dankte dem Him⸗ mel laut vor allen Anweſenden. Heerauf erhob ſie ſich und ging ſchnell hinaus und man hörte ſie ſehr laut rufen:

Jacintha! Jacintha!«

Der Doctor folgte ihr, denn er fürchtete die Wirkung dieſer heftigen Freude auf eine ſo bejahrte Perſon.

Die Drei blieben zurück, keuchend, bleich wie die, vor welchen der todte Lazarus das Grab ſprengte und in einem Augenblick auf ein Wort hervortrat. Dann ſank Camill zu Joſephinens Füßen nieder und bat ſie mit vor Schluchzen kaum hörbarer Stimme, ihm zu ſagen was er thun ſolle.

Sie wendete das Geſicht hinweg.

»Sprich nicht mit mir; ſieh mich nicht an. Wenn wir einander anſehen, ſo ſind wir verloren. Geh und ſtirb auf deinem Poſten, wie ich auf dem meinen.«

Er neigte ſein Haupt und küßte den Saum ihres Klei⸗ des, dann erhob er ſich ruhig wie die Verzweiflung und bleich wie der Tod und ſchwankte mit ſchlotternden Knien hinaus wie eine Leiche, die ſich noch bewegt.

Heiter und triumphirend kehrte die Baronin zurück. Ich habe Jacintha fortgeſchickt, damit man in dem Dorfe die Glocken läute. Die Armen ſollen geſpeiſt werden