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hatte Mühe, die Blätter von einander zu löſen. Endlich je⸗ doch gelang es ihm und er fuhr fort zu zittern und zu leſen:
„Beiläufig erwähne ich, daß Sie Ihren näch⸗ ſten Brief an mich an den Oberſt Raynaladreſſiren müſſen. Ich ward kurz vor dem letzten Treffen be⸗ fördert, hatte aber nicht Zeit, es Ihnen zu melden.«
»Da, dal« rief die Baronin.»Er war Oberſt Ray⸗ nal, und Oberſt Raynal ward nicht getödtet.«
»Unterbrechen Sie mich nicht,« ſagte der Doctor.
„Nein, mein Freund; leſen Sie weiter, Camill— warum zögern Sie? Was gibt's? Um's Himmels willen, leſen Sie weiter.«
Camill warf einen verzweiflungsvollen Blick im Zimmer umher und legte ſeine Hand auf die Stirn, auf welcher große Schweißtropfen wie der Thau des Todes zu perlen begannen; von allen Seiten aber dem Scheiterhaufen entgegengetrieben, keuchte er mehr als er las, denn ſein Auge hatte die Zeilen ſchon bis an das Ende der Seite überflogen.
„Ein Namensvetter von mir—
„Commandant Rahynal— ha!«
»Iſt nicht ſo glücklich geweſen; er—«
„Weiter! weiter!«
Der Unglückliche konnte kaum Rahnal's Worte hervor⸗ ſtottern, ſie entrangen ſich ihm nur wie ein halberſticktes Stöhnen.
„— er fand ſeinen Tod, der arme Mann, wäh⸗ rend er einen tapfern Angriff auf die Flanke des Feindes ausführte.«
Der Brief ward krampfhaft zuſammengeknittert und fiel auf die Diele nieder.
„Gott ſegne Sie, Camill!« rief die Baronin,»Gott
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