Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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ich will gehen, ich will ſterben, ich will leben. Alles, was Du mich thun heißeſt, will ich thun, meine arme Joſephine.«

»Schwöre es mir bei dem, was Dir das Heiligſte iſt!«

Ich ſchwöre es bei meiner Liebe zu Dir.«

Aufgeregte Stimmen ließen ſich an der Thür hören und die Baronin trat herein, und dicht hinter ihr der Doctor, welcher ſich vergebens bemühte, ihre Aufregung und ihre Hoff⸗ nungen zu zügeln.

»O meine Kinder! meine Kinder!« rief ſie heftig zit⸗ ternd.Hier, Laura, meine Hände zittern ſo! Nimm dieſe Schlüſſel, öffne dieſes Schränkchen. Darin liegt der Moni⸗ teur. Von welchem Tage iſt er?«

»Vom zwanzigſten Mai.«

»Da!* rief Camill,»ich ſagte es Euch gleich.«

Die Baronin ließ ein mattes Stöhnen hören. Ihre Hoff⸗ nungen ſtarben wieder ſo ſchnell, als ſie geboren worden, und ſie ſank mit einem ſchmerzlichen Seufzer auf einen Stuhl nieder.

Camill warf verſtohlen einen freudigen Blick auf Joſe⸗ phinen. Sie ſtand noch in derſelben Stellung da und ſtierte unverwandt vor ſich hin wie auf ein nahendes Schreckniß, Gleich darauf ſtieß Laura einen matten Schrei aus.

»Das Treffen war vor dieſem Tage.*

Verſteht ſich,« rief der Doctor.»Sie vergeſſen, daß es nicht das Datum des Blattes iſt, worauf es hier ankommt, ſondern das des Kampfes. Um Gottes willen, wann war der Kampf?«

»Am dritten Mails ſagte Joſephine mit einer Stimme, die aus dem Grabe zu kommen ſchien.

Laura's Hände, welche das Blatt gefaßt hielten, fielen wie todte Gewichte auf ihre Knie herab. Sie flüſterte: