Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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»Liebſt Du mich Du?s fragte ſie immer noch in dem heiſern Tone, der ſo wenig von Joſephinen in ſich hatte.

O Joſephine!*

»Miſcht ſich auch nur ein einziger Tropfen Achtung oder Tugend in deine Liebe zu mir?«

»Was ſind das für Worte, mein Weib?«

»Dann verlaß' Rahnal's Haus augenblicklich. Du wun⸗ derſt Dich, daß ich ſo grauſam ſeyn kann. Auch ich wundere mich, und daß ich in einem einzigen kurzen Augenblicke meine Pflicht ſo klar ſehen kann. Aber, Camill, ich habe zwanzig Jahre gelebt, ſeitdem dieſer Brief gekommen iſt. O, mein Hirn iſt durch tauſend Folterqualen hindurchgewirbelt, aber tauſendmal bin ich wieder auf ein und dasſelbe zurückgekom⸗ men wir dürfen Keins des Andern Antlitz je wieder ſehen.«

Camill warf ſich auf ſeine Knie nieder und flehte ſie an, dieſe Worte zurückzunehmen.

»Nimm Dich in Acht!« kreiſchte ſie wie von Sinnen, »ich ſtehe am Rande des Wahnſinns. Kommt es Dir wohl zu, mich in den Abgrund hineinzuſtoßen? Wenn Du ein Mann von Ehre biſt, wenn ein Funken von Dankbarkeit gegen die Aermſte in Dir lebt, welche Dir Alles gegeben, nur nicht ihren makelloſen Namen dieſen wird ſie Euch Allen zum Trotz mit ins Grab nehmen dann verſprich mir, daß Du Raynal's Haus, wenn er noch am Leben iſt, augenblicklich verlaſſen und mich in Ehren ſterben laſſen willſt, wie ich ge⸗ lebt habe.«

»Nein, nein« rief Camill,das kann nicht ſeyn. Der Himmel iſt barmherzig und der Himmel ſieht, wie glücklich wir ſind. Seh ruhig es ſind dies eitle Befürchtungen ſey ruhig, ſage ich. Wohlan denn, meine arme Heilige, wenn es einmal ſo iſt, ſo will ich Dir gehorchen. Ich will bleiben,