Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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geben Sie nicht Hoffnungen Raum welche vielleicht in nichts zerrinnen. Ich ſage Ihnen aber offen, es iſt Hoffnung da. Ich muß ſogleich nach jenem Blatte ſehen. Bleiben Sie, wo Sie ſind, ich will zur Baronin gehen.

Er eilte hinaus. Kaum war er fort, als ein Schrei des Entſetzens das Zimmer erfüllte ein Schrei wie des Wahn⸗ ſinns, der wie ein Blitz auf einen menſchlichen Geiſt herab⸗ ſchmettert.

Es war Joſephine, welche bis dieſen Augenblick noch kein Wort geſprochen. Sie ſtand, weiß wie eine Leiche, in der Mitte des Zimmers und rang die Hände.

Was habe ich gethan? Was ſoll ich thun? Es war der dritte Mai! Ich ſehe es mit feurigen Buchſtaben vor mir der dritte Mai! der dritte Mai! Und er ſchreibt unterm fünf⸗ zehnten.*

Rein! nein!« rief Camill außer ſich.»Es war lange, lange nach dem Dritten.*

Es war der dritte Mai,« wiederholte Joſephine mit einer heiſern Stimme, die Niemand als die ihrige wieder er⸗ kannt haben würde.

Camill eilte mit Worten des Troſtes und der Hoffnung auf ſie zu. Er theilte ihre Befürchtungen nicht. Er beſann ſich ungefähr, wann der Moniteur gekommen war, obſchon nicht genau auf den Tag. Er ſchlang ſeinen Arm liebend um ſie, wie um ſie gegen dieſe geſpenſtiſchen Schrecken zu ſchützen. Ihre ſich erweiternden Augen ſchienen auf etwas in Zeit oder Raum Entferntes geheftet zu ſeyn auf etwas Entſetz⸗ liches, welches langſam auf ſie zukam. Sie ſah nicht, wie Camill ſich ihr näherte, in dem Augenblicke aber, wo ſie ihn

fühlte, drehte ſie ſich raſch gegen ihn herum.