Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

Mann, welcher Mademoiſelle zu meinem rechtmäßigen Weibe machen kann. Alſo vorwärts, Herr Maire, denn die Zeit und der General Bonaparte warten auf Riemanden.«

»Warten Sie einen Augenblick,« ſagte der Maire. »Achtbare Vorurtheile muß man beſchwichtigen, aber nicht verachten. Frau Paronin, ich bin wenigſtens eben ſo alt als Sie und habe viele Veränderungen erlebt. Ich verſtehe Ihre Gefühle vollkommen. s

Ach, mein Herr, ach!«,

»Beruhigen Sie ſich, werthe Frau; die Sache iſt nicht ſo ſchlimm, als Sie ſich denken. Es iſt vollkommen wahr, doß im republicaniſchen Frankreich nur der Civilmagiſtrat franzöſiſche Bürger rechtmäßig vermälen kann. Dies aber ſchließt die religiöſe Ceremonie nicht aus. Sie können den Se⸗ gen der Kirche über mein Werk ſprechen laſſen und ſeyen Sie verſichert, daß Sie nicht die Einzige ſind, welche an dieſem natürlichen Vorurtheile feſthält. Von zehn Paaren, welche ich vermäle, gehen regelmäßig vier bis fünf ſodann zur Kirche und vollziehen die althergebrachten Cexemonien und ſie thun wohl daran. Denn dort vor dem Altar ſagt ihnen der Prie⸗ ſter das, worüber es mir nicht zukommt, mich des Weitern zu verbreiten, und erinnert ſie an die ernſten moraliſchen und religiöſen Pflichten, welche ſie mit dieſem Vertrag auf ſich genommen haben. Der Staat bindet, aber die Kirche ſegnet noch und ertheilt ihre Zuſtimmung zu dem6

»Was ſie nicht die Macht hat zu hindern,« bemerkte der Notar.

»Herr Picard, halten Sie es für höflich, die erſte Ma⸗ giſtratsperſon des Ortes zu unterbrechen, während ſie den Bürgern das Geſetz erflärt?« entgegnete der Maire.

Picard verſtummte ſofort.