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an vergangene Leiden und fühlte gegenwärtigen Schmerz— und lächelte.
Nur wünſchte er dann und wann Flügel zu haben. O die lange langweilige Straße!
So ritt er ein wenig über den Sattel geneigt langſam im Schritt weiter, als plötzlich ein anderer gutberittener Offi⸗ zier ihm nachgeſprengt kam und nachdem er im Vorüberreiten einen haſtigen Blick auf ſeine Uniform geworfen, weiter ga⸗ loppirte, als ob es Tod und Leben gälte.
»War dieſes Geſicht mir nicht bekannt?« ſagte er.
Er zerſann ſich faſt den Kopf und endlich fiel ihm ein, daß es das Geſicht eines alten Cameraden war. Sie waren zuſammen Lieutenants geweſen.
„Es war Raynal!« ſagte er.»Der Dienſt in irgend einem heißen Lande hat ihn blos tüchtig gebräunt. Kein Wun⸗ der, daß er mich nicht kannte. Ich muß mich noch weit mehr verändert haben als er. Ich wollte, ich hätte ihn angerufen, den alten Cameraden. Vielleicht begegne ich ihm in der näch⸗ ſten Stadt wieder.*
Er gab ſeinem Pferde die Sporen und ſetzte es in kur⸗ zen Galopp, denn das Traben erſchütterte ihn ſo, daß er es nicht aushalten konnte. Selbſt wenn er galoppirte, mußte er die Hand auf die Bruſt drücken und oft ſtellte ſich in Folge der Bewegung ein bitterer Schmerz ein als gewöhnlich, ſo daß ihm unwillkürlich das Waſſer aus den Augen rann, aber dennoch lächelte er.
Seine Froße Liebe und ſein hoher Muth gaben dieſe Antwort auf die Qualen des Körpers. Und ſeine Augen blickten unverwandt vorwärts wie nach einem Gegenſtand am fernen Horizonte, während er die Hand auf die Bruſt ge⸗ drückt und geduldig lächelnd immer weiter ritt.


