Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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Krankheit, Verzweiflung, Gefängniß alles, was ein Menſch dulden kann.«

Unmöglich! So viele Leiden würden Jeden, den ſie be⸗ troffen, ſchon längſt getödtet haben.«

Ja, ich wäre auch mehr als zehnmal geſtorben, wenn mich nicht ein einziger Umſtand noch am Leben erhalten hätte.«

So! Und was war dies für ein Umſtand?

Ich hatte verſprochen, zu leben.

Es trat eine Pauſe ein. Dann ſagte der General in ru⸗ higem Tone:

Zu den Thatſachen, junger Mann ich höre.«

Kaum war eine Stunde vergangen, ſeitdem der zer⸗ lumpte Unbekannte von den Schildwachen am Thore angehal⸗ len worden, als zwei funkelnde Offiziere zu demſelben Thore herauskamen. Ein Diener, der einen Pelzmantel auf dem Arme trug, folgte ihnen. Die Schildwachen präſentirten.

Der ältere dieſer beiden Offiziere war der Gouverneur, der jüngere war die vormalige Vogelſcheuche, jetzt in einer na⸗ gelneuen Uniform, welche dem Sohn des Gouverneurs ge⸗ hörte. Nun erſt zeigte er ſich in ſeinem wahren Lichte als das Ideal eines patriziſchen Soldaten. Man hätte ſollen mei⸗ nen, er ſey mit dem Degen an der Seite geboren und von der Natur geſchult worden, ſo gerade und ſtraff und doch leicht und ungezwungen waren alle ſeine Bewegungen, und ſein wunderbar in ſeinem Ausdruck wechſelndes Auge ſchien zu ſa gen:Ich kann lieben, ich kann fechten ich kann fechten,