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Mann ausgeſprochen, deſſen biederes, aufrichtiges Gemüth ihn hätte ſchützen ſollen. Aber ein Feind hatte Joſephinen an⸗ geklagt, und es war daher für Laura ganz natürlich, doß ſie ihre Schweſter zu vertheidigen ſuchte.
„Glaubte er denn wirklich, daß ich meine eigene Schwe⸗ ſter bloßſtellen würde?s ſagte ſie ärgerlich bei ſich ſelbſt.
War dieſer Aerger nicht eine geheime Unzufriedenheit mit ſich ſelbſt?
Laura hatte ſich ſchon vor dieſer lebhaften Unterredung mit Rahnal gegen die beantragte Verheirathung Joſephinens immer wenig abgeneigt gefühlt. Sein Verſprechen, ſie nicht mit nach Egypten zu nehmen, gab den Ausſchlag. Auch der anonyme Brief entzündete in ihr das Feuer des Zornes und des Widerſtandes.
„Alſo,s ſagte ſie bei ſich ſelbſt,„wir haben einen Feind, welcher ſich bemüht, dieſes Bündniß zu vereiteln.
Unentſchloſſenheit war, wie wir wiſſen, keine Eigenſchaft dieſer jungen Dame. Sie entſchied nicht blindlings in einer ſo wichtigen Sache, aber nachdem ihre Entſcheidung einmal ge⸗ geben war verbannte ſie alle weiteren Einwendungen und Befürchtungen. Die Zeit dazu war vorüber; ſie waren ge⸗ hört worden.
Sie begab ſich zu Joſephinen.
„Nun, liebe Schweſter,« ſagte Joſephine,„haſt Du ihn fortgeſchickt?“
„Nein.“
Joſephine lächelte.
„Es iſt leicht zu ſagen: Sprich nein, aber es iſt nicht ſo leicht, dieſes Rein auszuſprechen, beſonders wenn man fühlt daß man ja ſagen ſollte und ouch keinen andern Wunſch hat, als Andern eine Frende zu bereiten.*


