Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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Sie ward abwechſelnd roth und blaß und der Athem verſagte ihr.

O, warum bin ich nicht ein Mann? Warum trage ich nicht einen Degen? Ich würde ihn dieſem feigen Schurken durch's Herz ſtoßen, dieſem Teufel, denn nur ein Teufel kann einen Engel, wie meine Joſephine, verleumden! O, ſie wird niemals ſich mit Ihnen vermälen, wenn ſie dieſen Brief ſieht.«

»Dann zeigen Sie ihr ihn ja nicht etwa und nehmen Sie ſich die Sache doch nicht ſo zu Herzen. Das Wort eines Die⸗ bes, welcher ſelbſt geſteht, daß ſeine Geſchichte ein Ding iſt, welches er nicht mit ſeinem Namen zu unterzeichnen wagt, gilt in meinen Augen nichts auf alle Fälle werde ich nicht ſein Wort gegen das Ihre in die Wagſchale legen. Deshalb aber ſtelle ich eben die Frage an Sie. Ich bin ein ehrlicher Mann, aber kein complaiſanter. Ich würde nicht ein ſo unbe⸗ ſorgter Ehemann ſehn, wie viele, welche ich kennen gelernt. Ich würde meinen Honig nicht von Weſpen umſummen laſ⸗ ſen. Wenn mein Weib einen Anbeter hätte, ſo würde ich ihr keine Vorleſung halten was könnte das auch nützen? Ich würde ihn auf der Stelle umbringen. Nähme ſie dann einen andern, ſo würde ich ihn dem erſten nachſenden, und ſo im⸗ mer weiter, bis einer mich umbrächte.

Und das wäre den Elenden ganz recht.«

Ja, aber auch um meiner ſelbſt willen mag ich keine F au heirathen, die einen andern Mann liebt. Alſo ſagen Sie mir die reine Wahrheit.«

Mein Herr, dieſer Brief iſt eine niederträchtige Ver⸗ leumdung. Ich habe keinen Geliebten. Ich habe einen jungen Narren, der zuweilen hierher kommt und mich neckt, aber das iſt kein Geheimniß. Er iſt nicht hier.«

»Aber warum?

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