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wirklich bezweifeln, nun gut, ſo ſtützen Sie ſich auf Ihr ge⸗ brechliches und zerbrochenes Rohr, aber nicht mit Ihrer gan⸗ zen Laſt. Vermälen Sie eine Ihrer Töchter an einen Roya⸗ liſten, die andere aber an einen Mann, welcher der jetzt auf⸗ blühenden Dynaſtie angehört. Dann ſind wir ſicher, es möge kommen was da wolle, und dieſes alte, aber wankende Haus wird nicht fallen ſo lange wir leben und eben ſo wenig durch unſere Schuld.«
»Dies mag klug ſehn,« entgegnete die Baronin,„ich glaube es. Dieſe Klugheit aber iſt ſo hart, ſo eigennützig und ſo niedrig, daß ich dieſes Kind lieber aus dem Zimmer ge⸗ ſchickt haben würde, wenn ich gewußt hätte, daß unſer Ge⸗ ſpräch eine ſolche Wendung nähme.*
Laura warf einen trotzigen Blick auf Joſephinen, weil dieſe nicht auch wie ſie ein Kind genannt ward.
Saint⸗Aubin fühlte den Stich, aber blieb gelaſſen.
„Nun gut, rief er,„ſo zeigen Sie mir, daß Sie ſich zu etwas weniger Niedrigem und Eigennützigem erheben können, als die Klugheit iſt. Betrachten Sie die Tugend dieſes jun⸗ gen Mannes— ſeinen Charakter.«
»Was wiſſen wir von ſeinem Charakter?«
»Was wir von ſeinem Charakter wiſſen? Sind wir denn blind, oder können wir die Tugend blos ſehen, wenn ſie auf dem Papiere uns vor die Augen kommt? Lebt nichts in unſe⸗ rer eigenen Seele, was große Tugend ſofort auf den erſten Blick erkennt?⸗
»Ja, ja, ſo etwas lebt in uns!« rief Laura mit fun⸗ kelnden Augen.
„Schweig, mein Kind,« bemerkte die Baronin.
»Bedarf es wohl einer langen Reihe von Bücherſchrei⸗ bern, um uns zu ſagen, welche Handlungen gut und ſchön


