Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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Kurz vor zwöif Uhr ſtand Eduard Rividre am Schloß⸗ thore, während ihm ein eiſiger Schauer den Rücken hinabrie⸗ ſelte. Die Baronin war in ſeinen Augen das furchtbarſte We⸗ ſen, welches die Erde trug. Vor einer Unterredung mit dem erſten Conſul hätte er ſich weit weniger gefürchtet.

Jacintha führte ihn lächelnd und blinzelnd nach Saint⸗ Aubin's Studirzimmer.

Der Doctor empfing ihn freundlich und empfahl ihm nach einigen ermuthigenden Worten das Studium ſeiner Kä⸗ ferſammlungen, während er ſelbſt ſich zur Baronin begab⸗ um hier ſeine Rolle als Fürſprecher zu beginnen.

Die Baronin fiel ihm gleich bei dem erſten Wort in die Rede.

»Ach, mein lieber Doctor, verſchonen Sie mich mit die⸗ ſem Thema. Der unangenehmſte Trank hört auf, den Gau⸗ men zu reizen, wenn er drei Wochen lang jeden Tag gereicht wird. Wenn blos Sie und ich dabei betheiligt wären, ſo würde ich ihn nicht länger verordnen, es handelt ſich aber um Perſonen, die uns theuer ſind. Joſephine, liebe Tochter,« rief die Baronin,liegt Dir wirklich viel daran, den Bürger Riviére mit ſeinem Mädchengeſicht zu heirathen?«

»Nein, Mama.*

Laura dürfen wir, glaube ich, gar nicht fragen, denn dieſe iſt für ſolche Sachen noch etwas zu jung.«

O zu jung bin ich nicht mehr, Mama, aber ich ver⸗ ſpüre keine Neigung.*

»Alſo mit einem Worte, Ihr könnt beide nicht auf den Freund unſers Doctors reflectiren. Laßt ihn daher gehen. Ja, wenn der Doctor ſelbſt als Freier aufträte, dann würden wir am Ende uns alle Drei um ihn ſtreiten.«