Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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gnädige Frau, aber es hat immer einen gewiſſen Reiz, etwas

zu verfolgen.*

»Ja wohl,« ſagte Laura, faſt ohne es zu wollen. »Sagteſt Du etwas, liebe Tochter?« fragte die Baronin in kaltem Tone.

»Nein, liebe Mutter,« entgegnete Laura ein wenig er⸗ ſchrocken, denn trotz ihres Muthwillens wagte ſie eben ſo we⸗ nig ein Wort dazwiſchenzuwerfen, wenn ihre Mutter mit einem Fremden ſprach, als ſie gewagt hätte, zum Fenſter hinauszuſpringen.

»Uebrigens,* fuhr Rivisre fort,ſind dergleichen Er⸗ holungen, wenn man ein beſchwerliches Amt hat, ſehr an⸗ genehm.*

»Ah, Sie haben ein beſchwerliches Amt, mein Herr!« ſagte die Baronin, während ihr Auge mit zarter Fronie auf ſeinem roſigen Antlitz ruhte.

Er bemerkte es nicht, ſondern antwortete mit einem An⸗ flug von bureaukratiſchem Stolz:

»Ja, wir Alle, welche dem Staate dienen.«

»Ach, mein Herr, Sie dienen dem Staat?«

Sie ſchien mit jedem dieſer Worte, ſo wie ſie es ſprach, kälter und eiſiger zu werden. Die jungen Damen wechſelten Blicke bangen Entſetzens.

Ich diene Frankreich,« entgegnete Riviére in ſanftem Tone, und in ſeinem Weſen und in ſeiner Jugend lag etwas, was die alte Dame halb entwaffnete, aber nicht ganz, denn ſie ſagte, indem ſie aufſtand, um der Unterredung ein Ende zu machen:

»Wohlan, mein Herr Sie verzeihen mir, wenn ich es nicht über mich gewinnen kann, Sie Bürger zu nennen.«