„
—
S e2
3
„Wohlan, gnädige Frau, ich bin Jagdliebhaber und liege der Jagd zuweilen in Ihrer Nachbarſchaft ob, wo es dann häufig geſchieht, daß die Vögel ſich auf Ihr Revier hin⸗ überflüchten. Wenn ich nun ihnen dahin folgen dürfte, ſo würde ich oft gute Beute machen.«
»Mein Herr,« ſagte die Baronin lächelnd,„folgen Sie dieſen Vögeln überall hin, wohin ich ein Recht habe Sie ein⸗ zuladen. Gleichzeitig muß ich Ihnen mittheilen, daß, ſeitdem Frankreich reformirt oder vielmehr deformirt worden, man der Herrin von Beaurepaire in Art keine Stimme mehr zuzugeſtehen pflegt.«
»Frau Baronin,« ſagte Eduard,„erlauben Sie mir Sie zu bitten, zwiſchen mir und denen, welche dieſe Rückſichts⸗ lofigkeit begehen, einen Unterſchied zu machen.«
»Das iſt ſchon geſchehen,« ſagte die Baronin mit der ganzen Grazie des alten Regime.
Rivière verneigte ſich tief. Dabei warf er einen verſtoh⸗ lenen Blick um ſich und ſah, daß Joſephine jene Sanftheit der
WMiene zeigte, welche man zuweilen an jungen Damen wahr⸗
nimmt, wenn ſie arbeiten und ſich für eine Converſation in⸗ tereſſiren. Auch Laura arbeitete, aber ihr Geſicht war abge⸗ wendet und ſie vermochte kaum das Lachen zu unterdrücken.
Riviöre fühlte ſich befangen.
»Sie macht ſich über mich luſtig,« dachte er, und den⸗ noch empfand er einen krampfhaften Wunſch mit ihr zu lachen. Deshalb wendete er ſich ſchnell wieder ab.
»Mein Herr,« hob die Baronin langſam wieder an, »darf ich, ohne indiscret zu ſehn, fragen, ob es Ihnen viel Vergnügen macht, dieſe Vögel zu ſchießen?«
»Nicht ſehr viel, wenn ich die Wahrheit geſtehen ſoll, 8


