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„Ich habe ſie ſo eben auf immer verloren.« Jacintha ſtemmte die beiden Hände in die Seiten. „Aber,“ ſagte ſie mit einem Gemiſch von Mitleid und
Schadenfreude,„was haben Sie denn gemacht?“
Er erzählte ſeine Unterredung bis auf die letzten Worte. Jacintha gratulirte ihm.
„Na, das macht ſich ja ganz ſchön! Sie haben wirklich Gläck. Ich wundere mich, daß ſie ſo ganz allein unter freiem Himmel mit Ihnen geſprochen hat. In Dard's Hauſe weiß ich würde ſie es gethan haben, weil ſie nicht anders ge⸗ konnt hätte. Nun weiter.«
Hierauf erzählte er ihr Laura's Abſchiedsworte. „Ei, ei, mein Fräulein,« rief Jacintha,„als Reuling
machen Sie Ihre Sache gar nicht ſchlecht! Ja, ja, ſie hat
einen klugen Kopf. Und Sie, mein Herr, bedankten ſich wohl bei ihr?
„Nein, das that ich nicht. Ich lehnte es ab, aber ganz ehrerbietig.“
„Ganz ehrerbietig,« wiederholte Jaeintha in verächtli⸗ chem Tone;„man kann Sie wirklich nicht ſich ſelbſt überlaſ⸗ ſen. Und dennoch kann ich auch nicht immer bei Ihnen ſeyn. Wiſſen Sie, was Sie gethan haben?“
»Nein.*
„Sie haben ſich ihren Haß zugezogen, weiter nichts.«
Riviére vertheidigte ſich.
„Es war ſo ungerecht von ihr, mir ihre Bekanntſchaft
zu verweigern und mich dann aufzufordern, jenem al⸗
ten Manne die Zeit zu vertreiben.“ Jgeintha ſah ihn mit höhniſchem Blicke an. „Ich will Ihnen ein Gleichniß erzählen, Sie armer
Wer lieben will. I. 13


