ſetz und Anſtand ſeit Jahrhunderten geherrſcht, nicht vorkom⸗ men dürften.
„Die ältere Tochter,« ſagte ſie„muß zuerſt fort, dann erſt kommt die zweite daran. Sehen Sie übrigens doch ver⸗ nünftiger und vor allen Dingen weniger blind, junger Freund. Laura iſt ein ganz nettes Mädchen, aber mit Joſephinen, der Schönſten der Schönen, nicht zu vergleichen.«
Eduard that, weil ihm viel daran lag, die Gunſt ſeiner einzigen Freundin nicht zu verſcherzen, als ob er die Palme der Schönheit allerdings der älteren Schweſter zuerkenne, meinte aber, Laura ſey allenfalls auch hübſch genug, um ſich in ſie verlieben zu können, und ſtehe übrigens ſeinem eigenen Alter weit näher als Joſephine.
Eben wollte er noch weiter vorſtellig machen, daß ſein Standpunkt in der Geſellſchaft kaum hoch genug ſey, um ihm zu erlauben, Anſprüche auf die Erbin von Beaurepaire zu machen, und daß er ſeine Blicke nicht über den jüngern Zweig dieſes alten Stammes erheben dürfe, als Jacintha, die auf Alles, was er ſagte, gar nicht gehört, ſondern ihr Erſtaunen überwunden und ſich durch ihre eigenen Erwägungen zu ſeiner Anſicht bekehrt hatte, ihn unterbrach.
„Nun ja, es mag ſehn,« ſagte ſie.»Uebrigens könnte ich Ihnen auch Joſephinen nicht verſprechen, Laura aber ſollen Sie haben, wenn Sie ſich mit ihr begnügen wollen.*
Der junge Mann umarmte ſie vor Freude.
„Ja wohl begnüge ich mich mit Laura,« rief er.»Herz⸗ lich gern begnüge ich mich mit ihr, liebe Jacintha.« Plötzlich aber umdüſterten ſich ſeine Züge.
„In der Hitze unſeres Geſprächs habe ich indeß etwas vergeſſen.
„Was denn?« fragte Jacintha unruhig.


