Teil eines Werkes 
1. Theil (1858)
Entstehung
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ihren bis jetzt muthwilligen Ton mit der Schüchternheit eines Bittenden vertauſchte.

Er wird meiner Empfehlung keine Schande machen. Vor allen Dingen wird er keine Schwierigkeiten machen, wie wir Damen zu thun pflegen, denn er verdient wirklich, daß man ihn kennen lerne. Mit einem Worte, glauben Sie mir, es wird eine vortreffliche Bekanntſchaft für Sie ſeyn und auch für ihn. Was ſagen Sie dazu, mein Herr?«

Rivière fühlte ſich gekränkt bis in das innerſte Herz hinein.

Sie weigert ſich mit mir ſelbſt Bekanntſchaft zu ma⸗ chen,« dachte er,aber ſie will meine Liebe benutzen, um aus mir einen Zeitvertreib für dieſen alten Mann zu machen.

Sein Herz empörte ſich gegen ihre Ungerechtigkeit und Undankbarkeit und zermalmte Eitelkeit verwandelte ſich in tödt⸗ liches Gift.

Mein Fräulein,«entgegnete er mit einem Gemiſch von Groll und Wehmuth,wäre ich ſo glücklich, Ihre Achtung zu beſitzen, ſo würde mein Herz überfließen, nicht blos für den würdigen Mann, den Sie eben nannten, ſondern für alle guten Menſchen, die Ihre Umgebung bilden. Wenn ich aber nicht die Bekanntſchaft genießen ſoll, die ich höher achte als das Leben, dann erlauben Sie mir, allein zu bleiben in der Welt und wenn ich es umgehen kann kein Wort weder mit dem Doctor Saint⸗Aubin noch ſonſt mit einem menſchlichen Weſen zu ſprechen.*

Die gebieteriſche junge Schönheit richtete ſich empor.

So ſeh es, mein Herr. Sie lehren mich wie man einem Kinde antworten muß, welches ſich vergißt, und einen fremden Menſchen einen ganz fremden Menſchen,s wiederholte ſie mit Nachdruck,um eine Gefälligkeit bittet.