172
verblendet hat. Bemerkten Sie die Farbe ſeiner Wangen— Lilien und Roſen? Wie?«
»Es iſt die gewöhnliche Geſichtsfarbe eines Knaben— roth und weiß.«
„Und ſeine ſeelenvollen Augen!“
„Ja, er hat ſehr kecke Augen. Wenn Sie wünſchen ſich angaffen zu laſſen, bis Sie vor Verlegenheit nicht mehr wiſ⸗ ſen, wohin Sie blicken ſollen, ſo ſchicken Sie nur nach Herrn Riv— hm!— wie ſagte er, wie er hieße?«
»Ich habe es vergeſſen. Wirklich, ſeine Geſtalt iſt die eines Antinous mit der elaſtiſchen Anmuth einer Diana.“
„Allerdings, hoch genug ſpringen kann er, um die Leute
zu erſchrecken— eine ſehr ſchöne Eigenſchaft!«
„Wohlan, Fräulein Laura, ich werde ihn nicht dadurch, daß ich ihn lobe Ihrer fernern Sathre preisgeben. Er dient Frankreich und nicht den Bourbons, und deshalb iſt er ein häßliches und ſogar altes Ungeheuer. Laſſen Sie uns von wichtigeren Dingen reden.“
„Wie es Ihnen beliebt,« ſagte Laura trocken. Und ſie
thaten es. Die Folge von der neuen Wendung, die man dem Ge⸗ ſpräche gab, war, daß Laura zerſtreut ward und unaufmerk⸗ ſam zuhörte. Fortwährend kam ſie auf das aufgegebene Thema zurück und machte nach einander eine Anzahl Geſtänd⸗ niſſe zu Gunſten des Ausſehens, des Benehmens und der gan⸗ zen Art und Weiſe des jungen Republicaners, Alles dem Doctor zu gefallen, ſo daß endlich ſie und dieſer in ihrem Urtheil über den jungen Mann gar nicht ſo weit auseinan⸗ der waren.
Als ſie das in die Plaiſance führende Parkthor erreich⸗
ten, drehte ſie ſich plötzlich um, erröthete vor Freuden, ſchlang


