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dafern ſie nicht zur Entdeckung deſſen führen ſollte, was Sie auf dem Herzen haben,s und mit einer tiefen Verbeugung ent⸗ fernte er ſich.
„Ein allerliebſter junger Mann, Fräulein Laura,« hob der Doctor an.
„Wer? Dieſer vorwitzige Gelbſchnabel? Was Sie denn Allerliebſtes an ihm?“
„Einen Gelbſchnabel nennen Sie ihn7 In meinen Augen iſt er ein junger Apollo, deſſen Züge nicht blos Verſtand und Scharfſinn, ſondern auch Herzensgüte verrathen.*
„O, o, Doctor, was ſagen Sie da!*
„Ich habe ſeit langer Zeit kein ſolches Geſicht geſehen,* rief der Doctor und ward beinahe zornig.
„Und ich wünſche kein ſolches wieder zu ſehen.*
„Geſtehen Sie wenigſtens, daß ſeine Manieren ſehr gewinnend und angenehm ſind.«
„Republicaniſche Dreiſtigkeit, Doctor! Die möge be⸗ wundern wer kann.*
„O nein— es war die ehrerbietige Ungezwungenheit eines jungen Mannes, der nicht die Aufmerkſamkeit auf ſeine eigenen Vorzüge zu lenken, ſondern einfach höflich zu ſehn wünſchte.*
„Nach meiner Anſicht war dieſer Sprung über unſern Zaun und dieſes vorſchnelle Erbieten, unſere Angelegenheit zu der ſeinen zu machen, ein ſtarker Beweis von Frechheit.“
„Wenn es nicht mit eben ſo viel Beſcheidenheit als Ar⸗ tigkeit geſchehen wäre,« entgegnete Saint⸗Aubin;„der arme Knabe iſt aber Republicaner. Aus dieſem Grunde können Sie nicht gerecht ſeyn. O Politik! Politik! du verdrehſt die Köpfe— du feſſelſt das Urtheil— du verdirbſt das Herz — laſſen Sie uns ſehen, ob es Ihnen nicht ſogar die Augen


