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„Was könnte das nützen, wenn Sie ſich beharrlich ein⸗ bilden, eine Dame ſeh ein Mann?«
„Nein, nein, ich will mir nichts einbilden. Sprecht mit mir von den Frauen, wenn Ihr glaubt, daß Ihr ſie verſteht.“
»Nun gut, es ſoll geſchehen. Mehr als alles Andere verachten die Frauen einen Mann, der ihnen gegenüber kei⸗ nen Muth hat. Sie ſehen ſich nach etwas um, was ſtärker iſt, als ſie ſelbſt ſind. Ein Weib haßt es, die erſten Schritte khun zu müſſen. Sie zieht ſich gern fortwährend zurück, ohne jedoch vollſtändig die Flucht zu ergreifen. Sie begnügt ſich nicht da⸗ mit, zu nehmen, was ſie braucht, und Gott dafür zu dan⸗ ken— dieſes Etwas iſt nemlich ein Mann. Sie will auch da⸗ mit ſpielen, wie die Katze mit der Maus. Sie muß Schwie⸗ rigkeiten machen und der Mann ſoll dieſelben beſiegen Blos zu dieſem Zwecke macht ſie ſie überhaupt. Wenn er ein ſolcher Narr iſt von den Schwierigkeiten ſich beſiegen zu laſſen, nun dann ſey ihm der Himmel gnädig, denn ſie iſt es nicht. Ihr größtes Vergnügen beſteht darin, ein halbes Dutzendmal »Nein“ und endlich„Jas zu ſagen. Wenn man ſie gleich bei dem erſten Nein beim Worte hält, ſo verurſacht man ihr ſechs bittere Täuſchungen, denn dann kann ſie nicht die ande⸗ ren Nein ſagen, und, was das Schlimmſte iſt ſie kann auch das Ja nicht ſagen, welchem ſie entgegenſah und welches ſchon fortwährend in ihrem Herzen klang. Meine junge Herrin iſt halb Engel halb Weib. Wenn Sie daher ſie aufgeben, weil ſie es Ihnen befiehlt, ſo wird Sie ſie blos verachten— wäre es dagegen meine andere junge Herrin, oder ich, ſo würden wir Sie auch noch haſſen.«
„Mich haſſen? Um meiner Selbſtwerläugnung und mei⸗ nes Gehorſams willen?«
Wer lieben will. I. 11


