Teil eines Werkes 
1. Theil (1858)
Entstehung
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„Nein, meine Schweſter, ich habe die Ehre, das Ge⸗ gentheil von Dir zu ſeyn.«

„Das Gegentheil!« rief Joſephine verwundert.

„Ja, denn Du biſt ein Engel, ich aber ein Teufel!!“ rief Laura mit geheimnißvollem Flüſtern, aber im ernſten Tone der vollkommenſten Ueberzeugung, indem ſie zugleich Joſephinen den Zeigefinger ihrer rechten Hand entgegenſtreckte, wie um ihren Worten eine deſto ſchärfere Pointe zu geben.

Sie ließ einige Secunden verſtreichen, um der wichtigen Nittheilung Zeit zu laſſen, ſich dem Herzen ihrer Schweſter einzuprägen, und dann begann ſie gleich einer muthwilligen Elfe um Joſephinen herumzutanzen, während dieſe langſam und nachdenklich über den Raſenplatz nach dem Schloſſe ging.

Man kann ſich leicht denken, was der Gegenſtand der Unterhaltung beim Frühſtück und überhaupt den ganzen Tag über war. Die jungen Damen zeichneten jedoch die Geſchichte ihrer ſeltſamen Begegnung nur mit den gröberen Umriſſen und enthielten ſich jeder directen Andeutung, daß ſie glaubten, Herr Rividre habe ſich in eine von ihnen beiden verliebt. Sie ſtellten ihren Zuhörern frei, dies zu vermuthen oder nicht.

Die Baronin ihrerſeits war durchaus nicht geneigt, ihren Töchtern Liebesgedanken in die Köpfe zu ſetzen. Des⸗ halb verſchwieg ſie, obſchon ſie zu ſchlau war, um nicht Cu⸗ pido's Haͤnd in dieſem ganzen Vorgange zu argwöhnen, ihren Verdacht, und ſprach von Rivière's Handlung, als ob ſie dieſelbe blos von ihrer zartſinnigen, edelmüthigen und unei⸗ gennützigen Seite betrachtete.

Der männliche Scharfſinn in der Perſon des guten Doc⸗ tors St. Aubin bildete ſich nicht wenig auf ſeine überlegene Schlauheit ein und führte dieſelbe Sprache wie die Andern,