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fiel. Damit entfernte ſie den Thau von der Lilie, rollte es dann ſchnell wieder zuſammen und ſteckte es feſt.
Joſephine ſeufzte tief auf.
„Meine Schweſter, Du erſchreckſt mich. Eile nicht ſo muthwillig an den Rand eines Abgrundes. Laß Dich von mir warnen. O warum ſind wir hierher gegangen! Jacintha was haſt Du gethan!«
„Dieſe gute Joſephine mit ihren bangen Ahnungen! Ge⸗ ſtehe nur, Du hältſt mich für eine Närrin.«
„Ich halte Dich für ein Kind, welches mit Seuer ſpielt, wenn man es ihm nicht wehrt.“
„Mit neunzehn und einem halben Jahre iſt man kein Kind mehr. Ach, wie ſind doch manche Menſchen mit Blind⸗ heit geſchlagen! Dich, Joſephine, kenne ich auswendig, aber mich kennſt Du nur ein ganz klein wenig. Du haſt blos die Seite beobachtet, die ich Dir zuwende, Dir, welche ich mehr liebe, als ich jemals einen Mann lieben werde. Bewahre dein Mitleid für Herrn Rividre, wenn er mir jemals in die Hände fällt, nicht für mich. Mit einem Worte, Joſephine, die Stunde iſt gekommen, wo ich Dir etwas offenbaren muß. Ich bin kein Kind mehr. Ich bin eine erwachſene Jungfrau!“
„Ach, um ſo ſchlimmer!“
„Aber ich bin nicht ein ſolches weibliches Weſen, wie Du biſt, und dem Himmel ſey um unſer beider willen Dank⸗ daß ich es nicht bin!
Joſephine ſah ſie verwundert an.
„So hat ſie noch nie mit mir geſprochen,« dachte ſie bei ſich ſelbſt.„Das iſt Ihr Werk, Herr Rivière!— Unglück⸗ lichel« ſetzte ſie darauf laut hinzu,„was biſt Du denn, wenn Du mir nicht ähnlich biſt, die ich Dich ſo innig iebel


