Teil eines Werkes 
1. Theil (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

„Weil ich zu klug dazu war. Sie hätten dann die ganze Nacht kein Auge zugethan. Ich habe auch nicht ſchlafen kön⸗ nen. Jeßzt iſt keine Zeit mehr zu verlieren— binnen wenigen Minuten wird die Sonne aufgehen. Wie ſchnell könnten Sie ſich wohl ankleiden, wenn es gälte, Ihr Leben zu retten?« fragte Jacintha ein wenig ſchnippiſch.»In einer halben Stunde?s

„In einer halben Minute!“ rief Laura.„Geh und wecke Joſephine.«

Laura kleidete ſich raſch an und eilte dann in Joſephi⸗ nens Zimmer. Dieſe warf ſich eben nach ihrer gewohnten Weiſe langſam in die Kleider.

Laura half ihr, während Joſephine lächelte und gähnte.

Während die muntere Hebe auf dieſe Weiſe die ſchmach⸗ tende Venus expedirte, ließ ſich über ihnen plötzliches Fußge⸗ trappel hören, und Jacintha kam einige Augenblicke ſpäter feuerroth in das Zimmer geſtürzt.

„Ach, meine gnädigen Fräuleins! Ich bin oben auf dem Dachboden geweſen. Es kommt Jemand vom Dorfe her— ich lugte hinter dem Schornſtein hervor. Es iſt kein Augen⸗ blick zu verlieren— die Sonne iſt auch ſchon aufgegangen.*

„Aber ich bin ja noch nicht fertig, liebe Jacintha!«

„Dann müſſen Sie unangekleidet mitkommen,« rief Ja⸗ cintha ungeſtüm. n 3

„Es iſt mir wirklich, als ob ich nicht angekleidet wäre,« ſagte Joſephine ruhig.»Du haſt mich gar nicht ordentlich eingeſchnürt, Laura. Ich will Euch nicht aufhalten— geht immer ohne mich.«

„Da höre man nur!« rief Jacintha,»und ſie iſt es, um derentwillen der junge Mann Alles thut.*

„Um ihretwillen?« rief Laura.

„Um meinetwillen?« rief Joſephine.