Teil eines Werkes 
1. Theil (1858)
Entstehung
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„Ich wollte gleich nicht, daß ſie mit herauskäme. O meine Mutter, meine Mutter!«

„Lieben Kinder,« ſchluchzte die Baronin,„es iſt ganz natürlich. Ich kann nicht umhin zu bedenken, wie oft wir einen Baum gepflanzt und den Geburtstag des armen Kindes gefeiert haben, aber nicht wie heute. Damals weilten noch Viele auf Erden, welche uns ſeitdem verlaſſen haben und zu Gott gegangen ſind. Viele Freunde ſtanden um uns herum — wie warm war ihr Händedruck— wie freundlich ihre Stimmen, wie innig ihre Blicke! Und dennoch haben ſie uns verlaſſen. Das Unglück hat ſie verſcheucht, wie der Froſt jetzt die Blätter der alten Eiche abſtreift. Dieſe Thränen gel⸗ ten nicht mir! Nein, Gott und der heiligen Jungfrau ſey Dank, ich weiß wohin ich gehe und wen ich wiederſehen werde, mag es geſchehen, wann es wolle. Wohl aber kann ich meine Thränen nicht zurückhalten, wenn ich bedenke, daß ich meine Kinder ohne Freund in dieſer ſo gefahrvollen Welt zurücklaſ⸗ ſen muß.«

„Liebe Mutter, wir haben Freunde! Wir haben ja un⸗ ſern lieben Doctor.«

„Der iſt ein Gelehrter, Laura, ein Geſchöpf, welches weibiſcher iſt als ein Weib. Ihr werdet für ihn zu ſorgen hah anſtatt er für Euch.«

„uUnd dann haben wir noch unſere eigene Liebe. Hat wohl je eine die andere ſo geliebt, wie ich Joſephi⸗ nen liebe?«

„Nein,* se ine,„ich liebe Dich eben ſo ſehr.“

„Ja, das weiß ich. Ihr würdet Arm in Arm für ein⸗ ander in den Tod gehen,« ſagte die Baronin.»Ach, ich thue ſehr Unrecht daran, daß ich an dieſem Tage weine, meine Kinder! Laßt mir Zeit, um mich zu faſſen.«