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So ward zum Beiſpiel der Bürger Eduard Rivieère, welcher ſein Examen in der Nilitärſchule ſo eben erſt auf ganz beſonders glänzende Weiſe beſtanden hatte, eines ſchönen Ta⸗ ges nach der Bretagne geſchickt, um hier unter dem Comman⸗ danten Rahnal einen ziemlich wichtigen Poſten zu bekleiden.
Befangenheit iſt die gewöhnliche Begleiterin des Talents in einer neuen Lage und der junge Bürger konnte ſich, als er nach dem Hauptquartier ritt, um ſein Beglaubigungsſchreiben zu überreichen, trotz ſeines Stolzes einer gewiſſen Aengſtlichkeit nicht erwehren, um ſo mehr als ſein neuer Vorgeſetzter ein rauher, geradausgehender Soldat war, der ſich aus niederem Stande emporgearbeitet und weit mehr im Rufe eines thä⸗ tigen und rechtſchaffenen, als dem eines leutſeligen Mannes ſtand.
Während der junge Bürger in ſeinen enganliegenden Beinkleidern und engliſchen Stulpenſtiefeln, ſeiner weißen Weſte und Cravate, ſeinem hervorquellenden Buſenſtreif, ſei⸗ nem kurzen blauen Rock mit flachen vergoldeten Knöpfen, ſei⸗ nem Haarzopf, ſeinem ſchönen obſchon bartloſen Geſicht mit den freundlich funkelnden Augen ſich zu dieſer wichtigen Unter⸗ redung begibt und zu errathen ſucht, was man zu ihm ſagen und was er antworten wird, wollen wir mit kurzen Worten die bisherige Lebensgeſchichte des Commandanten erzählen.
Er war der Sohn einer Witwe, welche in Paris einen Materialwaarenladen hatte. Sie beſtimmte ihn ebenfalls zu
einem Gewürzkrämer, er aber dürſtete nach Ruhm, lief fort⸗ während hinter den Soldaten her und ärgerte dadurch ſeine Mutter.
„Soldatenſpielen in Friedenszeiten* ſagte ſie,„iſt Un⸗ ſinn und kommt mir gerade ſo vor, als wenn man auf einem Stubenteppich ſchwimmen wollte.«
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