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auf den Schooß und liebkoſte und tröſtete ſie und ſprach Worte der Liebe und Dankbarkeit.*
Hand in Hand erhoben ſich die Schweſtern.
Plötzlich faßte Laura Joſephinen bei der Hand und ſah ihr lange und unverwandt in die Augen.
»Ja,« entgegnete Joſephine,„es iſt aus. Ich kann nicht verachten und zugleich lieben. Ich bin todt für ihn, eben ſo wie er todt iſt für Frankreich.«
»Das hoffte ich— das dachte ich, aber ich fürchtete für Dich. Meine herrliche, edle Schweſter, ſollte ich jemals deine Achtung verlieren, ſo müßte ich ſterben. Ach, wie furchtbar und doch wie ſchön iſt dein Zorn! Um Alles in der Welt möchte ich nicht dieſer Cam—6
Joſephine legte Laura gebieteriſch die Hand auf den Mund.
„Hinfort werde ich es als eine Beleidigung betrachten. wenn man mir den Namen dieſes Mannes nennt. Ich bin eine Beaurepaire und eine Tochter Frankreichs. Komm, liebe Schweſter, laß uns hinuntergehen zu unſerer Mutter.«
Sie gingen hinunter und die ſtille Dulderin, die ſo ſiegreich aus dem Kampfe mit ſich ſelbſt hervorgegangen, nahm ein Buch zur Hand und las zwei lange Stunden ihrer Mutter und dem alten Doctor vor, ohne daß ihre Stimme ein ein⸗ ziges Mal wankend geworden wäre. Zu fühlen, daß das Le⸗ ben geendet iſt— zu wünſchen, daß auch die Exiſtenz enden möchte— und ſich mit dieſem durchbohrenden Gefühle hinzu⸗ ſetzen und Intereſſe an leerem Geſchwätz erheucheln, um An⸗ dern dadurch ein Vergnügen zu machen— das ſind die Hel⸗ denthaten des Weibes. nichtig und werthlos erſcheinen ſie der Welt!


