13
nun nicht mehr dieſe mächtigen Gegner in ihre Bruſt zu ver⸗ ſchließen und ſie in dieſer ihren tobenden Kampf führen zu laſſen.
Die Schweſtern kehrten von Frejus nach Beaurepaire zurück und auf Joſephinens Wangen glänzte wieder zartes Roth anſtatt der tödtlichen Bläſſe, welche den guten St. Aubin ſo beunruhigt hatte. Sie war nicht mehr launenhaft und reizbar, ſondern eine ſanfte gedankenvolle Stimmung be⸗ feſtigte ſich in ihr und verlieh ihr die Miene und Haltung einer Göttin der Geduld. Sie war unausſprechlich liebens⸗ würdig.
Eines Tages ſagte Laura, nachdem ſie ihre Blicke lange auf ſie geheftet:
»Ich fürchte, Schweſter, ich werde jenen Wahnſinnigen niemals ſo haſſen lernen wie ich ſollte. Wenn ich an ſein Ver⸗ halten denke, denn allerdings könnte mich faſt die Luſt an⸗ wandeln, ihn in's Geſicht zu ſchlagens— und ſie biß die Perlenzähne zuſammen und machte aus ihrer Hand einen unregelmäßigen kleinen Schneeball.„Wenn ich aber Dich anſehe, dann kann ich dieſen Verblendeten nur bemitleiden. welcher—*
»O meine Schweſter« unterbrach ſie Joſephine in bit⸗ tendem Tone,„laß uns nicht Jemand herabwürdigen, den wir einmal durch unſere Achtung geehrt haben— nicht um ſeinet⸗ ſondern um unſertwillen,« ſetzte ſie ſchnell hinzu, indem ſie es vermied Laura ins Geſicht zu ſehen.
„Vergib mir meine Heftigkeit. Ich wollte Dir blos ſa⸗ gen, daß ich mehr Mitleid als Zorn gegen ihn empfinde. Will er denn vielleicht ein Mönch werden und der Liebe entſagen? Wenn dies nicht der Fall iſt, ſo weiß ich nicht, womit er eigentlich umgeht. Wo kann er hoffen, ein Mädchen zu finden,
—


