Teil eines Werkes 
1. Theil (1858)
Entstehung
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11.

Sims des Camines und wendete ſich ſanft von ihrer Schwe⸗ ſter hinweg.

Joſephine,« ſagte Laura,ich bin allerdings noch jung, aber ſchon fühle ich, daß alle Leiden leichter ſind im. Vergleich mit denen des Herzens. Warum aber ſollen wir nicht jedes Leid, das uns trifft, gemeinſchaftlich tragen und einander tröſten? Nur Du biſt die Geizige und mißgönnſt mir mein Recht meinen Antheil an allen deinen Freuden und allen deinen Kümmerniſſen. Weißt Du aber auch, daß Du in dieſem Schloſſe die einzige Perſon biſt, die mich nicht liebt?«

»Ach Laura, was ſagſt Du da! Meine Liebe iſt älter als die deine.«

Nein! nein!*

Ja wohl! deine Joſephine liebte Dich von der Stunde an, wo Du geboren warſt, und hat Dich ſeitdem geliebt, ohne auch nur einen Augenblick lang zu erkalten.«

»Ach, meine Schweſter, wenn dem ſo iſt, warum willſt Du mir dann nicht dein Herz offenbaren? Sage mir Alles.«

Ja morgen.«

»Wenigſtens ſchenke mir deine Thränen, Du ſiehſt, daß ich für meinen Theil damit nicht geize.«

»Thränen ach!

»Na, beruhige Dich nur. Siehe, ich laß Dich los. Du wirſt finden, daß ich vernünftig, ja ſogar nachſichtig bin beruhige Dich faſſe Dich, oder vielmehr ſiehe, was ich thue, denn Du biſt dabei intereſſirt.«

»Wie mir ſcheint, beabſichtigſt Du, mit in meinem Bett zu ſchlafen.«

»Wäre Dir dies unangenehm?«

»Nein, im Gegentheil.«