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zum erſten Male, daß ſie ihn mehr liebe, als irgend etwas in der Welt— Pflicht und Ehre ausgenommen.
Sie ſchieden tief bekümmert, aber dennoch mit hoff⸗ nungsvollem Herzen. Nach Art der Frauen tröſtete ſie ihn, während noch ihre eigenen Thränen floſſen.
»Sey klug um meinet⸗ wenn auch nicht um deinetwil⸗ len. Möge Gott Dich in ſeinen Schutz nehmen! Deine Gefahr iſt unſere einzige Furcht, denn wir ſind eine Familie, die in vollkommener Eintracht lebt. Mein Vater wird meiner Nei⸗ gung niemals Gewalt anthun, dieſe unglücklichen Meinungs⸗ verſchiedenheiten werden hoffentlich bald ein Ende nehmen,
und dann wird er Dich wieder lieben. Ich ſage nicht: Bleibe
mir treu. Ich will weder mir noch Dir durch einen Zweifel Unrecht thun; verſprich mir aber, dein Leben nicht leichtſinnig auf's Spiel zu ſetzen. O, Camill! Camill!«
Er verſprach ihr was ſie von ihm begehrte und e ge⸗ lobten ſich zum Abſchied nochmals Liebe und Treue.
Briefe aus dem Feldlager, welche eine faſt an Anbe⸗ tung grenzende Hingebung athmeten, nährten Joſephinens Neigung, und mehr als einmal machte die öffentliche Erwäh⸗ nung ſeines Namens und ſeiner Dienſte ſie ſtolz auf den mu⸗ thigen jungen Soldaten, deſſen Herz ihr gehörte.
Noch war die Zeit nicht gekommen, wo ſie ihren Eltern ihr ganzes Herz öffnen konnte. Der Baron war jetzt mit dem Schickſale des Staates viel beſchäftigt, als daß ſie — hätte wagen können, ihn durch ihre Liebesangelegenheiten zu behelligen.
Die Baronin betrachtete, wie viele Mütter, ihre Tochter noch als ein Kind, obſchon ſie zwanzig Jahre alt war. Sie gehörte noch der alten Schule an. Eine leidenſchaftliche Liebe in dem Herzen einer Dame vor der Ehe war nach ihrer An⸗
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