Teil eines Werkes 
1. Theil (1858)
Entstehung
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auf. Dann erlauerte er die Gelegenheit und verſchwand unter dem Vorwande einer Reiſe auf einmal aus dem Schloſſe.

Drei Monate ſpäter kam ein beſtaubter Reiter in den Hof des Schloſſes Beaurepaire geſprengt und verlangte die Baronin zu ſprechen. Mit geſenkten Blicken überreichte er ihr einen Brief. Dieſer enthielt einige wenige traurige Worte von Herrn von Larochejacquelin. Der Baron hatte vor wenigen Tagen in der Vendée im Kampfe für das i König⸗ thum ſeinen Tod gefunden.

Von dieſer Stunde an bis zu ihrem Tode trug die Ba⸗ ronin Trauerkleidung.

Die Trauernde wäre verhaftet und vielleicht guillotinirt worden, wenn ſich ihrer nicht ein Freund angenommen hätte, von welchem die Familie am allerwenigſten wirkſame Hilfe er⸗ wartete.

Doctor St. Aubin hatte ſeit zwanzig Jahren in dem Schloſſe gelebt. Er war ein Mann der Wiſſenſchaft und das Geld hatte für ihn keinen Werth. Deshalb gab er ſeine ärzt⸗ liche Prafis auf und verfolgte ſeine Forſchungen und Studien

mit Muße unter dem Dache des Barons. Alle liebten ihn und

lachten in den Tagen des Glückes über ſeine Sonderbarkeiten und Zerſtreutheit, und jetzt auf einmal, in der gewaltigen Krifis, ward der Schützling zum Erſtaunen Aller und zu ſei⸗ nem eigenen der Beſchützer.

Der liebenswürdige Theoretiker war einer der älteſten Republicaner in Europa nemlich mit dem Munde. Es iſt d weniger zu verwundern, als in der Theorie die Re⸗ allerdings die vollkommenſte Regierungsform iſt. Nur Praxis wird ſie in den meiſten Fällen unmöglich. Doctor St. Aubin hatte ſeit Jahren über ſpeculativen anismus geredet und geſchrieben. Die zeitweilige