Teil eines Werkes 
1. Theil (1858)
Entstehung
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Zwei Monate lang jedes Jahr beſuchte er die Vorſtadt St. Germain und den Hof. In beiden Regionen kannte jeder Edelmann und jeder Lakei ſeinen Namen und ſein Geſicht. Seine Wiederankunft in der Bretagne nach dieſer kurzen Abwe⸗ ſenheit ward allemal durch ein ländliches Feſt gefeiert.

Vor allen Dingen aber beſaß Herr von Beaurepaire den höchſten aller Schätze die Zufriedenheit. Er wird nicht von geheimen Wünſchen gefoltert. Der Ehrgeiz hatte für ihn nichts

Verlockendes. Warum ſollte er lange Reden anhören, un⸗

würdigen Perſonen den Hof machen und ſich zu Intriguen er⸗ niedrigen, um einen ſo unſicheren und zweideutigen Preis wie ein Staatsamt iſt, zu erringen, während er ohne Mühe und ohne Verluſt an Selbſtachtung der Baron vou Beaurepaire ſehn konnte?

Auch der geſellige Ehrgeiz hatte für ihn nicht viel Ver⸗ führeriſches. Mochten Emporkömmlinge beim Scheine von zweitauſend Lampen und Kerzen ihre Bälle geben und ihr Vermögen vergeuden, um ſich in der faſhionablen Welt her⸗ vorzuthun er hatte durch ſolche Thorheit nichts zu gewin⸗ nen und durch ein beſcheidenes eingezogenes Leben nichts zu verlieren, denn er war der neunundzwanzigſte Baron von Beaurepaire.

So klug, ſo ſtolz, ſo wenig eitel, ſo ſtark an Geſund⸗ heit, Reichthum und Ehren ſtand er da, daß man hätte mei⸗ nen ſollen, nur ein Erdbeben könne dieſen Mann und ſein Haus erſchüttern. Und dennoch wurden beide erſchüttert, ob⸗ ſchon ſie ſeit Jahrhunderten in dem Boden wurzelten.

Das Erdbeben war aber auch kein gewöhnliches.

Seit Jahren hatte Frankreich ſchweigend zwei ſchwere Bürden getragen eine egoiſtiſche, corrupte Monarchie und eine zahlreiche, bevorrechtete, träge und drückende Ariſto⸗