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„Günzer!“
„Sie können noch glücklich werden.“
„Und das ſagen Sie, der Sie meinen trefflichen Mann ſo genau kannten? Der Sie mit ihm erzo⸗ gen wurden?“
„Ja!“— fuhr Günzer lauernd fort.—„Er war allerdings ein recht guter und trefflicher Menſch. Aber im Leben iſt alles zu erſetzen.“
„Meinen Gatten erſetzt mir nichts!“— ſagte die Wittwe leiſe, und abermals drängten ſich Thrä⸗ nen in ihre Augen.
„Die Zeit wird Sie anders denken lehren. Das Leben iſt ein großes ewig bewegtes Meer. Wir Menſchen ſind die vom Hauche der Zeit aufgeregten Wogen: unbedeutende Produkte eines leichten Luft⸗ hauches, oder auch gewaltige, von den mächtig er⸗ regten Elementen erzeugte Erſcheinungen. Aber iſt das nicht gleich viel? In dieſem Momente geboren hat uns der kommende ſchon wieder verſchlun⸗ gen. Es hebt und ſenkt ſich keine Welle, die nicht gleich wieder erſetzt wäre.“
„Das mag für das Leben und unſere Stellung in demſelben gelten,“— entgegnete Frau von Bern⸗ hold—„für ein liebendes Herz gilt es nicht. Aber laſſen wir das, Herr Stadtſchreiber, beruhigen Sie lieber mein bangendes Mutterherz über die vorhin erwähnte Angelegenheit.“


