Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
Einzelbild herunterladen

——

gefunden? Seitdem mein guter Mann todt iſt, liegt dieſe Angelegenheit mit Bergeslaſt auf meiner Seele. Gott, der Allmächtige, weiß es, nicht wegen mir,

wohl aber um meiner armen vaterloſen Kinder willen!“

Und Thränen ſtürzten aus den Augen der jun⸗ gen Wittwe, deren Schmerz um den unerſetzlichen Verluſt bei dieſer Erinnerung mit ſeiner vollen Wucht wieder erwachte.

Ein eigenthümlicher Blick Günzers traf die junge Frau. Es lag etwas herausforderndes, triumphiren⸗ des in ihm.

„Sie müſſen ſich tröſten!“— ſagte er dabei.— „Die Sache iſt nun einmal nicht zu ändern. Damit, daß man ſich ſeinem Schmerze hingibt, macht man in der Welt nichts gut. Man muß im Leben alles diplomatiſch auffaſſen, das heißt,“— ſetzte er hinzu, und das ihm angeborene ſchleichende Weſen machte ſich unwillkürlich wieder geltend—„man muß einer Sache in jeder Lage diejenige Seite abgewinnen, die für uns Gewinn in Ausſicht ſtellt.“

„Für mich hat das Leben Alles verloren!“— meinte die Wittwe traurig.

„Sie gehen zu weit!“— entgegnete Günzer.— „Jeder Schmerz findet mit der Zeit ſeine Aus⸗ gleichung. Sie, gnädige Frau, ſind noch jung, hübſch.“