Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
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der ganzen Geſchichte des Menſchen ein Kapitel, das wichtiger für unſere eigene Beſſerung, unterrichtender für unſer Herz und unſeren Geiſt iſt, als die An⸗ nalen menſchlicher Verirrungen? Bei jedem Unrecht, bei jedem großen Verbrechen war eine verhältniß⸗ mäßig große Kraft in Bewegung.

Wenn ſich das geheime Spiel der Begehrungs⸗ kraft bei dem matteren Lichte gewöhnlicher Affekte ver⸗ ſteckt, ſo wird es im Zuſtande gewaltſamer Leiden⸗ ſchaft deſto hervorſpringender; der feinere Menſchen⸗ forſcher, welcher weiß, wie viel man auf die Mecha⸗ nik der gewöhnlichen Willensfreiheit eigentlich rech⸗ nen darf, und wie weit es erlaubt iſt, analog zu ſchließen, wird manche Erfahrung aus dieſem Ge⸗ biete in ſeine Seelenlehre herübertragen, und für das ſittliche Leben verarbeiten.

Es iſt etwas Einförmiges und doch wieder ſo Zuſammengeſetztes, das menſchliche Herz. Eine und eben dieſelbe Fertigkeit oder Begierde kann in tau⸗ ſenderlei Formen und Richtungen ſpielen, kann tau⸗ ſend widerſprechende Phänomene bewirken, kann in tauſend Charakteren anders gemiſcht erſcheinen, und tauſend ungleiche Charaktere und Handlungen kön⸗ nen wieder aus einerlei Neigung geſponnen ſein, wenn auch der Menſch, von welchem die Rede iſt, nichts weniger denn eine ſolche Verwandtſchaft ahnt.