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konnte mir nicht denken, daß die ganze Erzählung aus der Luft gegriffen ſeyn ſollte; aber eben ſo wenig vermochte ich ſie mit meiner Vernunft in Uebereinſtimmung zu brin⸗ gen. Es ſchien mir daher ſchon damals wahrſcheinlich, daß ſich eine einfache und natürliche Thatſache durch Un⸗ wiſſenheit der Zuſchauer und Enthuſiasmus der Bericht⸗ erſtatter zu einem unbegreiflichen Wunder geſtaltet habe. Da gab mir folgende Begebenheit den Schlüſſel zu dieſem Räthſel.
Der Vater einer zahlreichen Familie und Chef eines angeſehenen Hauſes, ein Mann von ausgezeichneter Bil⸗ dung und umfaſſenden Kenntniſſen, hatte ſich die tolle Idee in den Kopf geſetzt, er trüge ein Neſt mit jungen Vögeln im Gehirne. 2 Uunbegreiflich iſt es, wie ein ſolcher Gedanke einem Manne von ſonſt ſo hellem Verſtande, wie der Gedachte war, in den Sinn kommen konnte. Wie natürlich lachten ſeine Freunde und Bekannten im Anfange darüber; allein die Sache nahm bald eine ernſte und betrübende Richtung, indem man einſah, daß es gegen alle Vermuthung unſerem Freunde mit der Behauptung Ernſt ſeo.
Alle vernünftigen Vorſtellungen, alles Verlachen und Abſcherzen half nicht, ſondern trug im Gegentheil nur dazu bei, den Kranken in ſeiner Idee zu beſtärken. Der ſonſt ſo arbeitſame Mann ward unfähig, ſeinen Berufsgeſchäſten nachzugehen, und die troſtloſe Familie ſah mit Zittern die Zeit nahen, in welcher die abſtrakte Einbildung alle ande⸗ ren Gedanken des Unglücklichen beherrſchen und ihn zum völlig Wahnfinnigen machen würde. Die Aerzte wußten kein Mittel gegen dieſen Fall an⸗ zugeben und man fügte ſich jammernd in das harte Schick⸗ ſal, welches einer vortrefflichen Familie einen zärtlichen und ſorgſamen Vater, der Welt einen braven Bürger zu


